widerwuchs        30-11-18


wider willen
trete ich auf meinen acker
raues seelenland
inmitten des herzens

vernichten werde ich
ausmerzen muss ich
stich für stich
was dort schießt und sprießt


ausgetragenvon seinem warmen atem
gedanken
abgeworfenüber der brache
verstreut liegen sie fruchtbar
zwischen den verkrusteten schollen

zu oberst
durchgebrochen schon
spitzt triumphierend
des keimlings junges grün
und jauchzt

und was unten
wird über
was dunkel war
hell
hadernd zaudere ich
ohnmächtig
am fuße des ackers
es labt sich mein auge
am trotzigen grün
VERSCHWENDUNG
verschwendung aber ist es
was da spross
aus seiner worte saat
seines wirkens, seines seins

im freudigen verlangen
schmiegt sich
zärtlich beinahe
der grüne flaum
um die vernarbten furchen

welch tumbe laune der protzenden natur
die sich nur sorgt
ums hervorbringen und wuchern und blühen
nicht aber um den Ort sich schert
sich kümmert
ob es dort genehm
denn was grünt
das wächst
weil es kann

und doch nicht darf
nicht hegen, nicht pflegen
nicht ernten
werde ich seine saat
stattdessen krümmen mein kreuz
harken und stechen
reißen und brechen
und graben
tief
dem lauf der wurzeln hinterher
dann rechen und scharren
sammeln und karren
verdrossen beseitigen
muss ich den wuchs
bei den wurzeln packen
das aufschießende glück
bevor seine schlingen
wuchern in mir
aber machtlos
stehe ich aufrecht noch
und fröne dem wuchs
im kargen braun
wundersam kostbar
bahnt sich das leben seinen weg
auch dort
wo alles dagegen steht